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[Original] Metal.de: Nightwish, Tristania - Live (2005-03-02) - Reviews

Quelle: metal.de
Autor: metalgreg

28.02.2005
Stuttgart/Hans-Martin-Schleyer-Halle
(Metalgreg / 02.03.2005)

Nur Rockstars spielen in der Schleyerhalle. Größen wie die ROLLING STONES, KISS, IRON MAIDEN oder METALLICA sind Bands, die die größte Indoor-Location Stuttgarts zu beehren pflegen. Allein die Wahl des Austragungsortes sprach im Vorfeld der NIGHTWISH-Tour schon Bände und der Besucherandrang in der Eiseskälte dieses Montag Abends bestätigte diesen Eindruck nur noch mehr. Ein buntes Volk angereister Fans, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, drängte sich vor den Toren der Halle. Drinnen – vorausgesetzt man schaffte es mit seinem ausladenden Reifrock unbeschadet durch die viel zu engen, gotenfeindlichen Einlässe – war Zirkus! Von Menschenmassen durch die von Bratwurstaroma erfüllten Gänge geschoben, kam man sich eher vor wie auf dem Volksfest als beim Konzert einer Band, die bis vor anderthalb Jahren nur Eingeweihte kannten. Auch die Bühne und die aufgefahrene PA versprachen Großes an diesem Abend, doch was NIGHTWISH ihren Zuschauern dann boten, übertraf alles, was ich mir ausgemalt hatte und ist kaum in Worten wiederzugeben! (Thomas)

Zunächst war es jedoch Zeit für TRISTANIA, das Volk vorzubereiten und auf Betriebstemperatur zu bringen. Nach ihrem letzten, etwas poppigeren Album "World Of Glass" hatten sich die Norweger ja einige Zeit gelassen, um nun mit dem aktuellen Werk "Ashes" wieder deutlich düsterer zu Werke zu gehen. Zur Besinnung auf alte Werte kann man getrost auch Vibekes Haarfarbe zählen, die sich vom 2001 aktuellen no-go Blond getrennt hat und sich wie in den guten alten Tagen wieder mit dunkler Mähne zeigt. Die Setlist war breit gefächert und bot u.a. mit Titeln wie "Beyond The Veil", "World Of Glass", "The Wretched" oder "The Shining Path" einen Abriss der gesamten Karriere TRISTANIAs. Dennoch wollte der Funke nicht überspringen. Trotz der sieben Bandmitglieder schien die Bühne viel zu groß für die Band, deren Stage Acting sich durch eine fast lähmende Statik auszeichnete. Bei insgesamt drei Sängern, die sich frei bewegen können und sich um kein weiteres Instrument als ihre Stimme kümmern müssen, darf man wirklich deutlich mehr Aktion erwarten! Vielleicht lag es auch an den Chören vom Band, die zwar bombastisch aus den Boxen kamen und die Halle erfüllten, die aber genau dadurch die nötige Authentizität vermissen ließen. Man merkte deutlich, dass TRISTANIA und NIGHTWISH in zwei unterschiedlichen Ligen spielen. TRISTANIA wissen in kleineren Hallen und Clubs besser zu gefallen, als auf einer Bühne von Weltniveau, wo sie eher isoliert und verloren als sicher wirken. Was jedoch am meisten enttäuscht hat, war, dass man den heiß erwarteten essenziellen Hit "My Lost Lenore" als letzten Song durch "Angelore" ersetzt hat. Zwar handelt es sich auch dabei um einen Klassiker, die versöhnende Wirkung eines "My Lost Lenore" blieb so aber aus und hinterließ nach einem durchwachsenen Auftritt auch noch einen faden Nachgeschmack. Schade! (Thomas)

Es gibt mehrere Dinge, an denen man erkennen kann, daß eine Band der Metalszene entwachsen und ins Big Business gewechselt ist. Da wäre natürlich die Tatsache, daß NIGHTWISHs aktuelles Album "Once" auf Platz 1 in den deutschen Charts war und selbige immer noch unsicher macht. Dazu kommen 10.000 Leute, die am heutigen Abend in die Stuttgarter Schleyerhalle pilgerten, um Zeuge des bisher größten Hallenkonzerts zu werden, das diese fünf Finnen jemals als Headliner gegeben haben. Am deutlichsten wurde die neugewonnene Größenordnung, in der man bei dieser Band jetzt denken muß, jedoch, wenn man einen Blick ins Publikum wagte. Dort standen Kuttenträger und Goths einträchtig neben 10-jährigen Zahnspangenkids mit ihren Eltern und Fanta-Vier-Shirt-Trägern. Alles zusammen genommen ergibt das ein Szenario, bei sich auch der toleranteste Metaller die Nase rümpfend abwendet. Zu dieser Gruppe fühlte sich der diese Zeilen schreibende Redakteur anfangs ebenfalls zugehörig. Doch ca. 90 Minuten später sollte alles anders sein, denn um eines vorweg zu nehmen: NIGHTWISH lieferten an diesem Abend einen Gig ab, der jedem Anwesenden noch sehr, sehr lange im Gedächtnis bleiben dürfte.

Los ging es mit "Dark Chest Of Wonders". Und schon nach einigen Sekunden sollten die ersten Reihen durchweg taub sein. Kleiner Griff vorweg: Was NIGHTWISH an diesem Abend an Pyromaterial in die Luft jagten, hatte schon fast RAMMSTEIN-Niveau. Vom Böller über Funkensprühregen bis hin zu hell auflodernden Flammensäulen wurde alles geboten. Dabei hätten es die trotz ihres Starfaktors allesamt sympathisch rüberkommenden Musiker gar nicht nötig gehabt, von ihrer musikalischen Leistung durch visuelle Reizüberflutung (es ist müßig, über die exzellent auf die Stimmungen der jeweiligen Songs abgestimmte Lightshow zu diskutieren) abzulenken. Denn auch im auditiven Bereich war alles erste Sahne. Ein druckvoller Drumsound, eine satte Gitarre und das allen anderen Instrumenten gegenüber gleichberechtigte Keyboard setzten den gut gewählten Querschnitt der NIGHTWISH-Karriere einwandfrei in Szene. Songschwerpunkt lag natürlich auf den letzten beiden Scheiben "Century Child" und "Once", aber auch einige ältere Kaliber wurden den vielen, neu hinzu gewonnenen Fans präsentiert (u.a. "Come Cover Me" oder "Wishmaster").

Trotz eines cool und gekonnt posenden und galant Rotwein trinkenden Tastenmannes Tuomas Holopainen stand eines fest: Die beiden Stars des Abends waren eindeutig und wie nicht anders zu erwarten Tarja Turunen (sah in jedem ihrer vier Kostüme umwerfend elegant und dezent erotisch aus) und Bassist/Sänger Marco Hietala. Ein jeder weiß mittlerweile um Tarjas Qualitäten und ein jeder wurde mit einer erhabenen Gesangsleistung bestätigt, an der sich jede andere Frontdame die Zähne ausgebissen hätte. Daß jedoch der Mann an den vier Saiten mittlerweile auf der Bühne neben der dunkelhaarigen Schönheit fast gleichberechtigt agiert, war zumindest für mich eine kleine Überraschung. So tätigte der Doppelspitzbart jede zweite Ansage und war der Aktivposten auf der Bühne. Am meisten aufhorchen ließ jedoch seine gesangliche Leistung. Seine Parts in Songs wie "Planet Hell", "Slaying The Dreamer" oder "The Phantom Of The Opera" (viel besser bekommt man es beim momentan in Stuttgart gastierenden Musical bestimmt auch nicht geboten) kamen fehlerfrei, aber als er PINK FLOYDs "High Hopes" fesselnd und kraftvoll intonierte, schossen nicht nur Kollege Norman die Tränen in die Augen, sondern es wurde auch eines ganz deutlich: Marco ist das beste, was dieser Band passieren konnte. Mit ihm als Gegenpol konzentriert sich nicht mehr alles auf Tarja und NIGHTWISH sind weniger leicht auszurechnen.

Genausowenig vorhersehbar war auch der weitere Verlauf des Abends. Hatte man gedacht, in punkto Showbombast konnten nach all den Pyrospielereien nichts mehr kommen, wurde dennoch einer drauf gesetzt. "Nemo", der letzte Song des regulären Sets (mit nur 60 Minuten für 35 Euro leider etwas kurz), sollte nämlich noch mit einer ganz besonderen Attraktion aufwarten: Zur Mitte des Tracks ergoß sich aus der Lichttraverse ein Vorhang aus Wasser vor die Bühne, untermalt von atmosphärischen Lichtspielereien. Spätestens jetzt stand jedem im Konzertsaal der Mund offen. Kein Wunder, daß die Band wieder lautstark zurück auf die Bühne gebrüllt wurde. Als Zugabe folgten die zwei ruhigen, intensiven, emotionalen Stücke "Sleeping Sun" und "Ghost Love Score" (wieder unterstützt durch das phänomenale Zusammenspiel von Licht und Wasser) bevor nach einer ausgedehnten Dankesrede Marcos "Wish I Had An Angel" samt Papierschnipselkanone an den Bühnenrändern und dem Mischpult den brettharten Schlußpunkt unter eine perfekte, bombastische und unvergleichliche Show setzte. Fazit: Überall Begeisterung pur! Und das völlig zurecht! Setlist: Dark Chest Of Wonders, Planet Hell, Come Cover Me, The Kinslayer, Siren, The Phantom Of The Opera, High Hopes (PINK FLOYD-Cover), Bless The Child, Wishmaster, Kuolema Tekee Taiteilijan, Slaying The Dreamer, Nemo // Sleeping Sun, Ghost Love Score, Wish I Had Angel (metalgreg) Was soll man dazu noch sagen? Kollege metalgreg nennt die Dinge wie sie sind: NIGHTWISH haben auch in meinen Augen – und ich denke, da spreche ich auch im Namen von Norman – einen absolut faszinierenden, musikalisch wie dramaturgisch perfekten Weltklasseauftritt hingelegt, der zum Besten zählt, was ich je gesehen habe! Man mag von Tarjas Stimme halten, was man will, die Präzision, mit der sie an diesem Abend jeden einzelnen der Songs mit Leben gefüllt hat, sucht ihresgleichen. Bei aller Perfektion agiert die Band aber mit einer spielerischen Leichtigkeit, dass es einem vor Staunen fast den Kiefer aushängt. Diese Band gehört auf die große Bühne! Weltklasse, einfach Weltklasse! (Thomas)

added by Lonnie on 09.05.06article also available in:  | printer friendly version

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