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[Original] GothicParadise.de: Nightwish - Pratteln (CH) (2000-10-24) - Reviews

Quelle: GothicParadise.de
Autor: Kathy

Nachdem ich im Vorfeld schon Tuomas interviewt hatte und am Backstageeingang kurz Tarja hi sagen und einen Blick auf Kimberly Goss (SINERGY) werfen konnte, öffnete das Z7 um kurz nach 19 Uhr seine Pforten, um die schon recht zahlreich anwesenden Musikbegeisterten einzulassen. Im Verlauf der nächsten knappen Stunde füllte sich die Halle gut weiter an, so dass zu Konzertbeginn um 20 Uhr das Z7 fast gänzlich gefüllt war.

ETERNAL TEARS OF SORROW begannen pünktlich mit ihrem Auftritt und hatten mit ihrem melodischen Black Metal mit hohem Keyboardanteil die Menge recht gut im Griff. Durch die Verwendung hauptsächlich roter und gelber Scheinwerfer bei der Lightshow wurde dem Set der Finnen passend ein leicht höllisches und diabolisches Flair verliehen, was sich natürlich gut mit ihrer Musik vertrug. Geboten wurden ausschließlich Songs des aktuellen Albums "Chaotic Beauty": u.A. "The Seventh Eclipse", "Autum's Grief" und "Nocturnal Strains". Sänger Altti Veteläinen grunzte sich während der Stücke die Seele schier aus dem Leib und behielt auch während seiner Konversationen mit dem Publikum diese "Stimmlage" bei, was dazu führte, dass man so gut wie nie verstand, was der gute Mann da grade eigentlich gesagt hatte. Ein Wunder, dass ihm seine Stimmbänder nicht völlig den Dienst versagten..., nach dem Auftritt dürfte er sich wohl erstmal zur Ölung selbiger mehrere Tassen Kamillentee einverleibt haben. Mit "Black Tears", dem eindeutig fetzigsten und besten Song ihres Repertoires, verabschiedeten sich ETOS nach einer halben Stunde und ließen ein gut aufgewärmtes Publikum zurück, bereit für SINERGY.

Über die Bühne wabernder Nebel und unheimliche Melodien läuteten nach einer kurzen Pause den Auftritt von SINERGY ein. Die Truppe um Frontfrau Kimberly Goss (Ex DIMMU BORGIR, Ex THERION, Ex ANCIENT, Ex CHILDREN OF BODOM) konnte von Anfang an voll überzeugen. Da sich der bandeigene Drummer einige Tage zuvor am Bein verletzt hatte, war kurzerhand der Schlagwerker von CHILDREN OF BODOM (zu denen Kimberly noch gute Kontakte pflegt) als Sessiondrummer engagiert worden und bereicherte den Gig mit seinen Künsten.
Kim bewies erstaunliche Energie, wirbelte ohne Unterlass über die Bretter, bangte und animierte das Publikum in jeder freien Sekunde. Dass so gut wie jedes zweite Wort aus ihrem Mund "fucking" war, konnte man angesichts ihrer super Stimme und ihres Charismas getrost verzeihen. Musik wie auch Kims Kommentare zwischen den Songs ernteten jedenfalls großen Beifall und veranlassten die quirlige Sängerin, stetig noch mehr aufzudrehen. Das Ergebnis war mitreißender Heavy Metal vom Feinsten. Stücke der aktuellen Platte "To Hell And Back" wurden gleichermaßen bejubelt wie die Werke des Vorgängeralbums "Beware The Heavens": "Midnight Madness", "The Fourth World" und "Callowmere" heizten die Stimmung richtig schön an, ab "The Warrior Princess" (Kim ist bekennender Xena-Fan, Anm. d. Verf.) gab es in der Halle kaum noch ein Halten. Immer wieder wurde zum Headbangen aufgefordert, wobei die Frontfrau natürlich mit guten Beispiel voranging und teilweise unter ihrer üppigen Haarpracht kaum noch zu erkennen war. "Lead Us To War", ein überaus eingängiger Song des neuen Albums (mir selbst hängt der Refrain auch immer noch im Ohr fest) markierte meiner Meinung nach den Höhepunkt des SINERGY-Auftritts: Das Publikum sang, animiert von Mrs. Goss, lautstark mit und es herrschte eine wirklich erstklassige Stimmung im Z7. Nach dem anschließenden "Venomous Vixen" verschwand die Band von der Bühne, nur, um von der Menge wenig später durch laute "Zugabe"-Rufe nochmals herausgelockt zu werden. "The Bitch Is Back" und Kims Abschiedsworte "stay tuned for NIGHTWISH" beendete schließlich die gelungene Show. SINERGY waren in meinen Augen die Überraschung des Abends, ich hätte hinter dem Bandnamen, den ich vorher nur nebenbei irgendwo aufgeschnappt hatte, nie so eine klasse Gruppe vermutet.

Da SINERGY zuvor schon so abgeräumt hatten, fragte ich mich insgeheim, ob NIGHTWISH da noch mithalten könnten. Und sie konnten, und wie! Sie schafften es spielend, ihre Vorgänger zu toppen und die Halle in einen wahrend Hexenkessel zu verwandeln. Schon beim Intro "Crimson Tide" ging ein Jubel durch die Reihen und bescherte Tarja, Tuomas, Sami, Emppu und Jukka einen gebührenden Empfang. Ich hätte nie gedacht, dass die zierliche Sängerin auch live ein derart gewaltiges Gesangsvolumen wie auf Platte aufbringen könnte, wurde aber gleich beim ersten Song "She Is My Sin" eines besseren belehrt. Was für eine Stimme... . Das von Tarja nach "Gethsemane" verkündete "We are NIGHTWISH from Finland!" löste erneut Begeisterungsstürme aus, man kann mit Fug und Recht behaupten, dass das Publikum der Band vom ersten Augenblick an "aus der Hand fraß". Weiter ging es musikalisch kreuz und quer durch die drei bisherigen Alben der Finnen, "Angels Fall First", "Oceanborn" und das aktuelle "Wishmaster", welchem natürlich besondere Aufmerksamkeit gewidmet wurde. Ins "rechte Licht gerückt" wurde alles durch eine effektvolle Lightshow mit Lichtspielen, Blitzen, intensiven verschiedenfarbigen Strahlern usw. Tuomas verausgabte sich hinter seinem Keyboard wie üblich total, er bearbeitete die Tasten wie ein Verrückter, ließ die Haare wirbeln und spielte, wenn es der betreffende Song gerade zuließ, eifrig Luftgitarre. Auch der Rest der Band wirkte sehr spielfreudig und fit, sogar Tarja, trotz ihres "Spanien-Breakdowns" zwei Tage zuvor (siehe Interview mit Tuomas, Anm. d. Verf.). Die lautstarken "Hey"-Rufe der zierlichen Sopranistin, ihre natürliche Art und ihr Bestreben, einzelne Leute in den vorderen Reihen auch mal durchs Mikro mitsingen zu lassen, brachten ihr gleich (nicht nur von mir) mehrere Sympathie-Pluspunkte ein, ebenso natürlich ihre teilweise improvisierten Gesangseinlagen am Ende oder in der Mitte einzelner Songs.
Neben flotten Krachern wie "The Kingslayer", "The Pharao Sails To Orion" oder "Wanderlust" durften natürlich auch das Gänsehautfeeling und die Feuerzeuge nicht fehlen, "Swanheart" und "Dead Boy's Poem" sorgten für wohlige Schauer über den Rücken. Und auch das Instrumentalstück, bei welchem sich Tuomas, Sami, Jukka und vor allem Emppu an der Gitarre richtig schön ins Zeug legten, bewies die Klasse der Band.
Nach "Sacrament Of Wilderness" verließen die fünf die Bühne. Doch nach einer kurzen Pause ertönten die ersten Klänge des Charterfolges "Walking In The Air" aus der Konserve, welches Tarja dann alleine im Scheinwerferlicht stehend begann zu intonieren, während sich ihre Kollegen nach und nach wieder um sie scharten. Erneut Gänsehaut und Feuerzeuge, einer der Höhepunkte des Konzerts.
"Beauty An The Beast" (hier durfte Tuomas auch mal mitsingen - das sollte er aber doch lieber Tarja überlassen :) ) und zum Finale das mitreißende "Wishmaster" beendeten schließlich die 1 1/2 stündige Show, zu den Klängen von VANGELIS' "Conquest Of Paradise" verließen NIGHTWISH nach mehreren gemeinsamen Verbeugungen und Winken die Bühne endgültig.

Nachdem die grelle Hallenbeleuchtung eingeschaltet wurde und die Roadies mit dem Abbau begannen, kam es mir wirklich so vor, als wäre ich gerade aus einem schönen Traum gerissen worden, denn das sind NIGHTWISH live wirklich: Ein Traum! Episch, bombastisch, ein Hauch von Gothic..., metal at its best. Bloß eins habe ich bei ihrem Auftritt schmerzlich vermisst: "Sleeping Sun". Fast eine Schande, einen so wunderbaren Song nicht live zu performen. Aber ich habe mich entschlossen, ihnen zu verzeihen, denn auch ohne die Schlafende Sonne war das Konzert absolut sehenswert.
Bleibt mir abschließend bloß noch zu sagen: NIGHTWISH, kommt bitte bald wieder! Und bringt SINERGY wieder mit... .


Setliste NIGHTWISH:

Intro: Crimson Tide
She Is My Sin
Gethsemane
The Kingslayer
Deep Silent Complete
The Pharao Sails To Orion
Come Cover Me
Wanderlust
Instrumental
Swanheart
Elvenpath
Fantasmic 3
Dead Boy's Poem
Sacrament Of Wilderness
Walking In The Air (Zugabe)
Beauty And The Beast (Zugabe)
Wishmaster (Zugabe)
Outro: Conquest Of Paradise

added by Lonnie on 09.05.06article also available in:  | printer friendly version

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