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[Original] GothicParadise.de: Nightwish - Turku (Finnland) (2004-09-18) - Reviews

Quelle: GothicParadise.de
Autor: Kareen


Das Wetter verhieß nichts Gutes, doch meine Laune konnte durch nichts getrübt werden, denn diesen Tag würde ich mit keiner anderen Band als NIGHTWISH verbringen. Verdammt früh begann dieser aufregende Samstag für mich in Tampere, doch auch das minderte meine Vorfreude nicht im Geringsten. Schließlich sollte es um 10 Uhr am Hotel los gehen. Nachdem ich dort eine halbe Stunde vergebenlich gewartet hatte, Tarja währenddessen erst vom Frühstück kam und Marco noch gemütlich eine Zigarette rauchte, kam die Ansage von Manager Ewo, dass sich die Abfahrt auf 12 Uhr verschieben würde.

Dann blieb mir eben noch Zeit genug für einen Kaffee im benachbarten Einkaufszentrum und einen Gedankensprung zurück zum vorangegangenen Abend: im Pakkahuone fand am Abend des 17. September nämlich das erste Konzert NIGHTWISHs in ihrer Heimat nach ihrer Rückkehr aus Nordamerika statt. Die Location war restlos gefüllt mit in NIGHTWISH-Shirts uniformierten Fans, die ihre Lieblinge mit großen Erwartungen empfingen. Die Vorband TWILIGHTNING hatten die ersten Reihen schon ordentlich zum Brodeln gebracht mit einem für Finnland typischen Rezept: aggressiv-düsterer Hardrock und gutaussehenden Jungs. Die Mädels waren schlichtweg begeistert und verliehen ihrer übermütigen Stimmung Ausdruck durch lautstarkes Gekreische, dass einem die Ohren fast vom Stamm fielen. Doch war dies nichts im Vergleich zum tosenden Empfang, der NIGHTWISH während des Intros entgegen wehte, ach was entgegen stürmte. Die Show selbst war erwartungsgemäß eine explosive Mischung aus alten Klassikern und neuen Songs vom Album �Once�. Die feurigen Pyroeinlagen, eine fulminante Lasershow und Specialeffects taten ihr Übriges, um der Performance das besondere Etwas zu verleihen. Nach drei großartigen Zugaben verabschiedete sich die Band ausgiebig von Tampere. Tuomas und Marco wagten einen Sprung in den Graben, um sich mit einem Shakehands zu bedanken. Dann gingen auch schon die Lichter an und 90 Minuten NIGHTWISH pur lagen hinter mir.

Aber das sollte noch lang nicht alles gewesen sein, denn schließlich war 12 Uhr alles im Tourbus verstaut, ich hatte einen Platz bei Manager Ewo im Auto gefunden und so ging es auf die zweistündige Fahrt nach Turku an die Ostseeküste. Ewo verwunderte mich anfangs ein wenig, denn trotz erbärmlicher Kälte trug er Armyshorts und Sandalen. Darauf angesprochen erklärte er mir, dass es ja immer noch Sommer sei, weil noch kein Schnee liegt. Simple Erklärung, die jeden Mitteleuropäer dennoch nicht logisch erscheinen wird. In Turku angekommen, hieß es warten auf den Tourbus. Am späten Nachmittag ging es dann endlich zum Caribia, einem riesigen Hotelkomplex mit Spaßbad und einer großen Mehrzweckhalle, wo an diesem verregneten Tag das Konzert stattfinden sollte. Der rosa Anstrich des gesamten Gebäudekomplexes verriet nichts von dem düsteren Ereignis an diesem Abend. Nur in der Caribia Hall deutete hektisches Treiben auf der Bühne auf die kommenden Stunden. Nicht länger als eine halbe Stunde benötigten NIGHTWISH für den Soundcheck. Danach standen die lokalen Journalisten und Fotografen Schlange, um für die nächsten Ausgaben ihrer Zeitungen eine Schlagzeile zu haben, denn keine andere finnische Band schwamm jemals so weit oben im Meer des internationalen Erfolges wie NIGHTWISH in diesem Jahr. Jetzt hieß es Zeit totschlagen, um die verbleibenden Stunden bis zum Auftritt zu überbrücken. Lichttechniker Mikko sorgte für allerhand Spässe, von denen mir leider mehr als genug durch meine nicht vorhanden Sprachkenntnisse entgingen.

Als der Zeiger auf 21 Uhr vorgerückt war, hörte ich nur noch den Schlachtruf von TWILIGHTNING und schon waren sie on stage und legten mit �Seventh dawn� los. Höchste Zeit die Kamera auszupacken und mir ein hübsches Plätzchen an der Bühne zu suchen. Diesmal waren die schnuckeliche Boys nicht einheitlich in schwarz gekleidet, sondern Keyboarder Mikko stach mit seinem schneeweißen Bühnenoutfit aus dem Sextett heraus. Sänger Heikki zeigte sich, wie nobel, im Jacket und düsterer Sonnenbrille, doch schon beim nächsten Titel wurde ihm scheinbar zu warm und das Jacket landete irgendwo auf der Bühne. Irgendwie erinnerten mich TWILIGHTNING mit ihrem hymnischen Hardrock an BON JOVI in den späten 80er Jahren. Wieder kamen sie besonders bei den Mädels im Publikum gut an. Da jedoch Hardrock nicht wirklich mein Ding ist, verzog ich mich wieder zu den anderen und lauschte der Musik aus der Ferne. Nach �Return to innocence� gab es ein kurzes Aufmerken, ob TWILIGHTNING in der Laune für ein zusätzliches Stück waren. Sie waren es nicht und so trudelte einer nach dem anderen wieder backstage ein, erleichtert und stolz wie Könige vor so vielen Leuten ein gutes Set gespielt zu haben.

NIGHTWISH war zu diesem Zeitpunkt noch nicht anzumerken, dass sie gleich vor schätzungsweise 2000 Leuten spielen würden. Nur Tarja hatte sich zurückgezogen, um ihre Stimme aufzuwärmen. Draußen waren die ersten Tarja-Chöre zu vernehmen, doch das brachte scheinbar niemanden aus der Ruhe, sondern sorgte höchstens für Erheiterung bei Jukka und Marco. Na, nicht vielleicht doch schon etwas nervös? Als Tarja fertig gestylt aus der Umkleide wieder auftauchte, lief sie unruhig hin und her, machte noch ein paar Atemübungen und versuchte sich mit ihrem Handy abzulenken. Jukka schnappte sich seine Sticks und trommelt wild auf seinen Oberschenkeln herum, Emppu war noch immer am Lächeln. Tuomas dagegen schien in Gedanken versunken zu sein. Nur die Bewegung seiner Finger verriet, dass er die ersten Keyboardpassagen durchging. Mit dem Dröhnen des Intros gab es dann kein Zurück mehr, keine weitere Minute Aufschub, schlichtweg Showtime und nun schlug das Lampenfieber der NIGHTWISH-Familie in eine wahnsinnige Aufbruchsstimmung um. Für mich war es Zeit mit dem beiden Mangagern und einigen Freunden der Band den Balkon der Location zu erklimmen.

Dort erwartete mich eine fantastische Aussicht auf die gesamte Caribia Hall, die wie schon am Tag zuvor das Pakkahuone bis auf den letzten Platz ausverkauft war. Die Stimmung war unglaublich. Die nervenzerreißende Spannung im Publikum durchbrachen NIGHTWISH jedoch schnell als sie ihre Schatztruhe mit einem ohrenbetäubenden Knall öffneten und zuerst �Darkest chest of wonders� heraus kramten. Die Flammenfontänen am Ende des Songs waren sprichwörtlich atemberaubend. In diesem Moment hätte ich um keinen Preis mit der Band tauschen mögen, da es auf der Bühne mit Sicherheit unerträglich heiß war. Nach dem wilden Ritt über den �Planet hell� wurde es mit �Come over me� zunächst etwas ruhiger und wunderschöne Laserspiele zauberten eine atmosphärische Stimmung in die Caribia Hall. Der Song vom �Wishmaster�-Album bot Tarja die Möglichkeit in ihrer typischen Art mit dem Publikum zu kommunizieren und aus der Reserve zu locken. Entertainer Marco gab dann nach dem Song vor, er würde das Publikum nicht richtig hören und hielt sich die Hand ans Ohr. Für ein lautstarkes Feedback musste er natürlich nicht lang betteln. Dann leuchteten einzelne Flammen von Feuerzeugen auf, als �Phantom of the opera� einsetzte. Bei diesem Song konnte Tarja ihr wahres stimmliches Können unter Beweis stellen, was die neueren Songs leider nicht mehr in diesem Maße fordern. Tuomas tobte sich besonders bei diesem Titel hinter seinem Keyboard aus. Er headbangte wild und kam erst wieder zur Ruhe, als er schwer atmend auf den Einsatz einer gewaltigen Explosionsreihe wartete. Natürlich durfte �Nemo� im Set nicht fehlen, obwohl ich Tuomas Meinung zustimmen muss, dass der Song schon zu oft in Clubs und auf Musiksendern gespielt wurde. Der künstliche Regeneffekt vor der Bühne verlieh dem Titel jedoch wieder etwas besonderes. Vom aktuellen Hit �Nemo� ging es anschließend nahtlos zu einem alten Hit aus dem Jahr 1998 über. Die Ballade �Sleeping sun� verwandelte die Caribia Hall nach und nach in ein wogendes Lichtermeer aus hunderten flackernden Feuerzeugen. Doch der absolut gefühlsstärkste Song an diesem Abend war für mich der dem verstorbenen Marc Brueland gewidmete Titel �Higher than hope�, da seine Familie direkt neben mir stand. Da war sie wieder, die Frage nach dem Sinn des Lebens. Doch wie auch das Leben immer erbarmungslos weitergeht, ging auch das Konzert weiter. Wie mir Tuomas vor dem Konzert verraten hatte, gabe es seit 2000 kein Konzert ohne den Titelsong �Wishmaster� vom gleichnamigen Album und wieso sollte man gerade heute mit alten Traditionen brechen? Nach �Over the hills and far away� verschwanden Tarja und mit ihren vier Biester von der Bühne. Natürlich hatte das Publikum noch nicht genug von NIGHTWISH und als hätte ganz Turku es einstudiert, klatschte die gesamte Halle im gleichen Rhythmus und brüllte �We want more� im Chor über mehrere Minuten. Als NIGHTWISH dann zurück auf die Bühne kamen und �Dead boy�s poem� einsetzte, war die Gänsehautstimmung perfekt. Bei der zweiten Zugabe �Slaying the dreamer� ließ sich sogar Tarja zum Headbangen hinreißen, sodass außer Jukka an seinen Drums alle die Mähnen tüchtig schüttelten. �Wish I had an angel� schloss dann das Konzert furios ab.

Ich bin mir sicher, dass ich nicht die einzige war, die gern noch mehr Songs gehört hätte. Besonders die aktuelle Platte �Once� war mir mit nur 5 Songs insgesamt etwas zu kurz gekommen. Die Musik vom Band und das Licht ließen jetzt jedoch keinen Zweifel mehr daran, dass der Traum wenigstens für diesen Abend ausgeträumt war. Als ich mich entgegen den Strom von hinausströmenden NIGHTWISH-Fans mit zufriedenen Gesichtern mogelte und mich wieder backstage einfand, traf ich eine vollkommen ausgepowerte, ja geradezu ausgelaugte Band an. Ich hatte das Gefühl, dass sie alles für ihr Publikum gegeben hatten und sich jetzt nichts sehnlicher wünschten als in ihre kuscheligen Hotelbetten zu fallen. Uns so ging verdammt spät ein spektakulärer Tag relativ unspektakulär zu Ende.



Setlist TWILIGHTNING

Seventh dawn
At the forge
Gone to the wall
Into treason
Enslaved to the mind
Return to innocence


Setlist NIGHTWISH

Intro
Darkest chest of wonders
Planet hell
Come over me
Phantom of the opera
Dead to the world
Nemo
Sleeping sun
Megadeth
Bless the child
Ever dream
Higher than hope
Wishmaster
Over the hill and far away
-----------------------------
Dead boy's poem
Slaying the dreamer
Wish I had an angel

added by Lonnie on 09.05.06article also available in:  | printer friendly version

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