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[Original] GothicParadise.de: Nightwish - Berlin (D) (2004-10-20) - Reviews

Quelle: GothicParadise.de
Autor: Kareen

Wieder einmal trübes Wetter machte es nicht gerade angenehm vor der Arena an der Spree zu warten. Der Andrang war der hellste Wahnsinn und übertraf meine Erwartungen um Längen. Ein Großteil der Leute war längst dem Nieselregen entkommen und rockte schon zu TIMO RAUTIAINEN & TRIO NISKALAUKAUS ab. Doch während die finnische Band ihr halbstündiges Set spielte, stand ich noch vor dem Tor und kam wegen dem immer noch nicht abbrechenden Andrang nur schwerlich voran. Jetzt wurde mir klar, wie NIGHTWISH zu ihrem „Goldenen Konzertticket“ gekommen waren.

Endlich drinnen angekommen, konnte ich noch die letzten beiden Songs der ersten Vorband hören und über die Massen hinweg auch TIMO und sein zum Quartett gewachsenes Trio auf der Bühne erspähen. Zwar ist TIMOs Musik schwermütig, weil sie sich sozialkritischen Themen widmet, was aber nicht bedeutet, dass live auch Trauerstimmung geschoben wird. Mit drei Gitarren am Start war der Sound richtig satt und alles deutet unmissverständlich auf rockigen Metal. Außergewöhnlich war nur, dass TIMO seine Songs auf Deutsch und nicht wie normalerweise auf Finnisch sang. Leider war seine Aussprache nicht besonders deutlich, so dass man die Texte nur schwer verstehen konnte. Vielleicht ist es einfach besser das Konzert entspannt zu genießen, ohne verkrampft auf die Lyrics zu hören, und später daheim in aller Ruhe den deutschsprachigen Release „Hartes Land“ anzuhören. Jedenfalls rockte der größte Teil des Publikums ordentlich ab und TIMO wurde unter Beifall und Klatschen nach seinem Set von der Bühne gelassen.

Ich will nicht von finnischen Verhältnissen sprechen, aber in der Umbaupause floss das Bier dann schon reichlich gut, um nicht zu sagen wie Öl. Schließlich musste ich mir ja die Wartezeit auf die zweite Vorband SONATA ARCTICA verkürzen. An das ungemütliche Herbstwetter über Berlin verschwendete ich nun schon keinen einzigen Gedanken mehr, wie wohl die meisten Anwesenden heute Nacht. Das Intro kam recht elektronisch daher und hätte mich ein wenig verwirrt, hätte ich die Show nicht zuvor schon in Leipzig gesehen und gewusst, dass die Gitarren für die nächste Stunde nicht geschont würden. Nacheinander huschten im violetten Halblicht vier Gestalten auf die Bühne. Als dann endlich die Gitarren einsetzten, zeigte sich Sänger Tony, der heftig begrüßt wurde und aber auch gleichzeitig das Publikum energisch und unermüdlich anfeuerte, wie es sich eben für den Frontmann eines Supportacts gehörte. SONATA ARCTICA sind Metal aus tiefstem nordischen Herzen mit einer melodischen Note und ordentlich Tempo. Tonys Stimme erinnerte mich verdammt an die SCORPIONS, jedenfalls streckenweise, während für meine Begriffe bei einigen Passagen eine gehörige Portion METALLICA durchdrang. SONATA ARCTICA ließen es bei Songs wie „Victoria’s Secret“ und „Fullmoon“ ordentlich krachen, während es bei „Broken“ eindeutig ruhiger und melodischer zuging, trotzdem feierte Berlin. Nach ihrem letzten Song „The Cage“ verabschiedeten sich die Nordfinnen von einem begeisterten Publikum mit Verbeugung ganz in der NIGHTWISH-Tradition, womit sie noch einmal zusätzliche Pluspunkte sammelten.

Die Spannung wuchs nun von Minute zu Minute sichtlich, hatte sich nach einer knappen halben Stunde Pause schier ins Unendliche gesteigert, dass es kaum noch auszuhalten war, und war somit bei jeder Regung und nur kleinsten Bewegung auf der Bühne anhand massiver Pfeifkonzerte nicht mehr zu überhören. Erlösend setzte dann endlich das NIGHTWISH-Intro ein und gleichzeitig glitt das SONATA-ARCTICA-Banner zu Boden und enthüllte das „Once“-Cover. Showtime. Und schon flog uns „Darkest Chest Of Wonders“ um die Ohren. Eine strahlende Tarja betrat singend die Bühne und ein phänomenales Publikum empfing sie mit tosendem Jubel. Die Feuerexplosionen am Ende des Songs ließen jetzt keinen Zweifel mehr: NIGHTWISH rockten Berlin und die Arena bebte, wie sie es bestimmt seit langem nicht getan hat. Mit „Planet Hell“ legten sie dann sogleich noch einmal nach. Tuomas, der heute die Bühne ohne seinen geliebten Aborigines-Hut betreten hatte, tobte sich hinter seinen Keyboards aus und bangte was das Zeug hielt. Zwischendurch genehmigte er sich immer wieder einen Schluck aus seiner Rotweinflasche. Zu „Deep Silent Complete“ wagte Emppu dann einen kleinen Streich, denn er nahm sich in einem Moment von Tuomas‘ Unachtsamkeit einen kräftigen Hieb aus jener Flasche und grinste Tuomas frech an, als dieser den Mundraub bemerkte. Empuu, wie wir ihn kennen, immer zu einem Späßchen aufgelegt. Kurz darauf bewirkte eine hauchzarte Melodie zu Beginn eines Songs ganz Großes: Kreischen ließ die Arena fast schon erschüttern. Es waren also genügend Fans da, denen NIGHTWISH weit vor „Once“ ein Begriff war und die regelrecht auf „Sleeping Sun“ wartet hatten. Anschließend zeigte Marco, dass auch er ein gestandener Frontmann ist und sehr wohl ohne Tarja sein Publikum bei Laune halten kann. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass die Fans froh waren nach „Symphonie Of Destruction“ wieder ihre geliebte Tarja auf der Bühne zu haben. Die kleine Kunstpause nach „Wishmaster“ sorgte für die nötige Beruhigung für den für meine Begriffe traurigsten Song von NIGHTWISH: „Dead Boy’s Poem“. Tief über seine Tasten gebeugt, versank Tuomas regelrecht in dem Titel und man merkte, dass ihm die Zeilen noch immer zutiefst berühren. Mein Zeitgefühl hatte sich schon lang in den Songs verloren, als eine kleine Melodie andeutungsweise durch die Arena schwebte: es war das Thema von „Nemo“. Doch bevor Tuomas richtig in die Tasten langte, bedankte sich Tarja bei den Massen, also war es der letzte Titel im Set. Die letzten Töne verklangen und die Band verschwand im Schutze des prasselnden Regenvorhangs. Natürlich gibt es ein Konzert nicht ohne Zugabe und so erhob sich ein Pfeif- und Klatschgetöse in der Arena, das NIGHTWISH nach nur wenigen Augenblicken wieder auf die Bühne holte. Tarja zeigte sich, wie ungewöhnlich, in einem schicken schwarz-rotem Abendkleid: dramatisches Outfit zum dramatischen „Ghost Love Score“. Bereits den ganzen Abend hatte ich mich auf diesen Titel gefreut und nun jagte mir eine Gänsehaut nach der anderen über den Rücken. Der rote Konfettiregen über den Massen machte das Erlebnis perfekt. Doch jetzt war es an der Zeit für eine Nummer, die noch einmal ordentlich krachte. Als sich Marco erkundigte, wie es mit einem Engel wäre, gab es kein Halten mehr, denn „Wish I Had An Angel“ ist definitiv ein echter Kracher. So schloss sich der Kreis zu „Darkest Chest Of Wonders“ mit einem fulminanten Feuerwerk und reihenweise Explosionen, die die Arena abschließend erzittern ließen. NIGHTWISH ließen sich natürlich auch nicht lumpen und bedankten sich überschwenglich mit vielfachen Verneigungen bei einem großartigen Publikum und ich glaube sogar ein deutsche „Danke“ über Tuomas‘ Lippen huschen gesehen zu haben… In wenigen Minuten sollte mich nun das Herbstwetter wieder zurück haben.


Setlist NIGHTWISH

Darkest Chest Of Wonders
Planet Hell
Deep Silent Complete
Phantom Of The Opera
She Is My Sin
Sleeping Sun
Symphony Of Destruction
Bless The Child
Ever Dream
Wishmaster
Dead Boy’s Poem
Slaying The Dreamer
Nemo
------------------------
Ghost Love Score
Wish I Had An Angel

added by Lonnie on 09.05.06article also available in:  | printer friendly version

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