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[Original] GothicParadise.de: Nightwish - Bayreuth (D) (2005-02-25) - Reviews

Quelle: GothicParadise.de
Autor: Kareen

Freitag am frühen Abend. Bei bitterlicher Kälte strömen die Massen Richtung Oberfrankenhalle. Zahlreiche Aufkleber an Heckscheiben und Schriftzüge auf bedruckten T-Shirts deuten auf das Ereignis des heutigen Abends. NIGHTWISH. Vier Zusatzkonzerte führten die Finnen erneut nach Deutschland, diesmal nach Franken, da sie im Herbst 2004 diese Gegend noch nicht bereist hatten. Dementsprechend voll war auch die Location. Fast 6000 Leute hatten sich versammelt, um der melodischen Metalmusik zu frönen.

Die Vorband TRISTANIA hatten schon aufgespielt, als ich gerade an der Garderobe zahlreiche Kleidungsstücke ablegte, die gerade draußen bei was weiß ich wie viel Grade unter Null noch recht nützlich gewesen waren. Weg mit dem Zeugs und dann nichts wie Treppe runter und rein ins Gedränge. Wenigstens wohlig warm war es zwischen den knapp 6000 Seelen, die nicht alle so düster drauf waren, wie man zunächst vermuten könnte. Trotz erheblichen Platzmangels schwankte ein Teil der Besucher bereits bedrohlich schräg durch die Landschaft. Was für ein Fest! Von dem wenigen, was ich von TRISTANIA noch sah, war ich nicht sehr begeistert. Auf der großen Bühne wirkte ihr Auftritt viel zu statisch. Schade. Trotzdem war es schön ihren einstigen großen Hit „Beyond The Veil“ zu hören. Der Song aus der Feder von Morten Veland, der mittlerweile den Verein verlassen hat, um sein eigenes Projekt aus dem Boden zu stampfen, kam immer noch genauso gut an wie vor reichlich fünf Jahren. Scheinbar haben die Norweger nach Velands Abschied den Anschluss verpasst, sonst müssten sie heute wirklich nicht als Support von NIGHTWISH herhalten. Wie dem auch sei, ich verkrümelte mich nach „Beyond The Veil“ aus dem Geschiebe und Gedränge und verleibte mir ein schickes Bier ein.

Kurz vor Showtime hieß es für die Fotografen schön in Zweierreihe vor den heiligen Toren des Backstagebereiches antreten, um von da aus brav dem Guide hinterher zu traben und geduldig wie Papier auf den Einsatz des dritten Titels des Sets zu warten. Denn pompöse Feuershow, Knalleffekte und deutsche Sicherheitsvorschriften ließen nur jenen Song zum Fotografieren zu, bei dem es wohl diesbezüglich etwas ruhiger zugehen sollte. Die Erfahrung lehrte mich, die Ohrenstöpsel noch vor der Kamera griffbereit in der Hand zu haben. Zusätzlich hatte mir der Manager versichert, dass es ausgerechnet auf der rechten Seite mächtig laut knallen sollte. Erst beim Intro schien die Oberfrankenhalle wirklich zum Leben zu erwecken, denn es erhob sich ein stürmisches Getose, das die vorherigen Tarja-Rufe zweifellos in den Schatten stellte. „Darkest Chest Of Wonders“ war dann nach publikumsseitig euphorischen Begrüßung von Tarja und ihren vier Mitstreitern just im Ausklingen begriffen, als die erste Explosion die Oberfrankenhalle zum Beben brachte. Deren Akustik tat sofort das Übrige und nun begannen die Kollegen hektisch nach Ohrenstöpseln zu fragen und Tempos zu zerpflücken. Für mich die einzige visuelle Unterhaltung, da ich keine Einsicht auf das Geschehen auf der Bühne hatte. Ein amüsantes Schauspiel. Wie erwartet durfte die Meute an Fotografen während „Come Over Me“ vor die Bühne und jetzt hieß es Knipsen im Akkord. Schließlich war der Film voller Schnappschüsse bevor der Song zu Ende war. Jetzt noch fix vorschriftsmäßig die Kamera an der Garderobe verstauen und dann nix wie auf die Galerie, um den Rest der Show zu genießen.

Tarja so entspannt und stimmlich sicher, wie man es von ihr wie von keiner anderen im Metalgenre gewohnt ist, zu sehen, war das reinste Vergnügen. Viel häufiger als bei den vorangegangenen Konzerten im Herbst wechselte sie ihr Outfit, das immer auf die entsprechenden Titel maßgeschneidert zu sein schien. Stolz präsentierte sie sich zunächst in schwarzen Hosen und einem roten Gehrock, der in einer weiten Schleppe endete. Neben den Pyroeffekten war auch die Lichtshow wieder einmal der reinste Hingucker. Beispielsweise stand Tarja bei dem orientalisch angehauchten „The Siren“ in einem Licht, das wie die Strahlen eines Sonnenaufgangs über sie glitt, bis sie zum Schluss im Schatten verschwand. Wer nach „Phantom Of The Opera“ nun auf „Symphony Of Destruction“ gehofft hatte, musste leider enttäuscht werden. Denn, o Überraschung, man hatte sich wieder einmal etwas neues einfallen lassen und diesmal den PINK FLOYD Song „High Hopes“ ins Set aufgenommen. Natürlich war auch bei diesem Titel Marco allein am Start und dieser witzelte zuvor noch mit dem Publikum, um Frau Turunen auch ja genügend Zeit für einen ersten Outfitwechsel zu verschaffen. Skeptisch wurde „High Hopes“ vom fränkischen Publikum zunächst aufgenommen, doch dann löste sich die anfängliche Berührungsangst in freudiges Mitklatschen auf, wenn auch nicht gerade frenetisch. Ein kleiner technischer Ausfall ließ dann noch ausgerechnet bei diesem Titel den Atem aller für einen Bruchteil einer Sekunde stocken. Doch alles ging gut und nichts konnte das Konzert auch nur annähernd vermiesen. Von einem lauten Knall begleitet, erschien Tarja wieder strahlend onstage und deutete nur mit einem geheimnisvollen „Ich hoffe doch, dass ihr den nächsten Song alle kennt“ den folgenden Titel an. Aber sicher kennen wir „Wishmaster“. Da gibt es doch keine Frage, im Gegenteil, wir lieben diesen Song abgöttisch! Das schien zumindest der aufkommende Jubel zu sagen, der nach den ersten Klängen aufkam und den gesamten Song begleitete.

Ein NIGHTWISH-Konzert ohne einen Titel, der richtig tief unter die Haut geht, gibt es zum Glück nicht. Ich war gespannt, welcher es sein sollte. Dazu zog Tarja sich in die Mitte der Bühne zurück, die zuvor von ihren vier Biestern verlassen worden war. Sie löste den Gürtel ihres weinroten Kurzmantels und ein rotes Stück Stoff glitt zu Boden, um wie ein Kleid ihre Hosen zu verhüllen. Zum Heulen schön und mir einen eiskalten Schauer nach dem anderen über den Rücken jagend sang Tarja das finnische „Kuolema Tekee Taitelijan“. Hingebungsvoll und umwerfend. An dieser Stelle hätte es mich tatsächlich beinahe umgehauen. Die Liebeserklärung an ihre Heimat hatten NIGHTWISH bisher gescheut und dann doch so wunderschön umgesetzt. Während der obligatorischen „Slaying The Dreamer“ und „Nemo“, das natürlich wieder vom künstlichen Regen untermalt wurde, stand ich immer noch im Bann des gerade Gesehenen, Gehörten, Gefühlten und konnte es doch nicht recht glauben. Erst die Zugabe-Rufe holten mich aus dem Trancezustand wieder zurück in die Oberfrankenhalle.

Nicht lange ließen sie auf sich warten, kamen strahlend auf die Bühne zurück und schickten sich sogleich an mit der Ballade „Sleeping Sun“ die Herzen der Fans punktgenau zu treffen. Noch beeindruckender wirkte „Ghost Love Score“, nicht zuletzt weil es das mächtigste und komplexeste Stück auf „Once“ ist. Mit fast 6000 Leuten war die Halle voll genug für einen Beschuss aus der Konfettikanone. Es war recht erstaunlich, wie viel Freude man den Menschen mit, gelinde gesagt, ein paar roten und weißen Papierschnipseln machen kann. Während diese wie dicke Schneeflocken auf das Publikum segelten, sang sich Tarja noch einmal regelrecht in Extase. Ein verschmitztes Grinsen tauchte auf Marcos Gesicht auf, als er mit den Worten „weil ihr so gut zu uns wart“ das endgültig letzte, aber dafür krachende Highlight ankündigen durfte. Zeit für „Wish I Had An Angel“, dem bewährten und krönenden Abschluss des Abends, der nur noch von den finalen Pyroeinlagen getoppt wurde. Sicherlich ein bisschen taub auf den Ohren, doch glücklich über ein weiteres fabelhaftes NIGHTWISH-Konzert gesellte ich mich zu den wartenden an der Garderobe, um mich wieder in meine dicken Klamotten zu hüllen.

Nur einen Tag nach dem Konzert stand es dann fest, Finnland hat NIGHTWISH zu der Band schlechthin gewählt. Mit 5 Emmas ausgezeichnet, dürften die fünf wohl den Karrieresprung des Jahres gemacht haben. Endlich einmal eine Band, der nicht ständig Kommerz vorgeworfen wird, die einfach entsprechend ihrer grandiosen Leistung erfolgreich sein darf.



Setlist NIGHTWISH

Darkest Chest Of Wonders
Planet Hell
Come Over Me
Kinslayer
The Siren
Phantom Of The Opera
High Hopes
Bless The Child
Wishmaster
Kuolema Tekee Taitelijan
Slaying The Dreamer
Nemo
---------------
Sleeping Sun
Ghost Love Score
Wish I Had An Angel

added by Lonnie on 09.05.06article also available in:  | printer friendly version

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