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[Original] wallsoffire.de: Nightwish Century Child (2002) - Reviews

Quelle: wallsoffire.de
Autor: Jens

Wenn man den größten Senkrechtstarter der Metalszene der letzten zehn Jahre zu küren hätte, die Finnen Nightwish würden sicherlich mit großem Vorsprung die Pole Position belegen. Seit ihrem Debüt „Angels Fall First“ 1997 und dem Erfolgsalbum „Oceanborn“ 1999 hat die Band mit ihrem Sound, der sich irgendwo zwischen Power Metal, Gothic und Klassik ansiedelt, die Metalwelt verzaubert. Den Löwenanteil daran hatten Keyboarder und Mastermind Tuomas Holopainen, aus dessen Feder die bombastischen Arrangements stammen, und die ausgebildete Opernsängerin Tarja Turunen.
Und auch diese beiden drücken dem neuen Werk „Century Child“ ihre Stempel auf. Tarja legt erneut eine beeindruckende stimmliche Leistung ab, variert ihren Gesang viel stärker und verwendet nicht nur Sopran sondern auch zarte Stimmlagen. Genauso facettenreicher wie beim Gesang verhält es sich mit der Musik. Tuomas hat seine Songs düsterer, härter und noch bombastischer gestaltet. Nightwish anno 2002 sind einfach noch besser, überraschen mit einer abermaligen Weiterentwicklung ihres eigenen Stils und vielen frischen Ideen. So wird beispielsweise die Band bei fünf Songs von einem richtigen Sinfonie Orchester begleitet, was dem sound natürlich exzellent zu Gesicht steht. Die gravierenste Neuerung wurde aber durch die Arbeit des neuen Bassisten Marco Hietala (ex-Sinergy) getätigt. Nicht nur sein Bassspiel ist agiler wie das seines Virgängers Sami, sondern Marco verfügt auch über eine tolle, kräftige Stimme, die sich wunderbar mit Tarja’s Sopran ergänzt, aber nur eine Nebenrolle spielt. Es ist aber bereits jetzt abzusehen, welche Variationen im Songwriting Holopainen nun offen stehen.
Der Auftakt von „Century Child“ wirkt sehr flüssig und geschlossen. Ohne auf die Texte zu achten, merkt man, dass hinter den Songs ein Konzept steht, das den Verlust der Kindheit behandelt, was sehr gut umgesetzt wurde. Der Opener „Bless The Child“ legt mit hohem Bombastfaktor los. Chöre, bombastische Arrangements, das Sinfonie Orchester und Tarja’s exzellente Gesangsleistung wandeln den mit zarten Melodien versehenen Midtempo Song in ein absolut verzauberndes Stück. „End Of All Hope“ ist ein dynamischer Gallopierer in bester „Wishmaster“ Machart und ist gitarrenorientierter als der Opener. Im Laufe der Zeit wird klar, dass dies einer der besten Nightwish Songs überhaupt ist.

Bei „Dead To The World“ übernimmt Marco erstmals große Teile der Gesangsstimme und zeigt, zu welcher Leistung er fähig sein kann. Er ist zweifelsfrei eine absolute Bereicherung für diese Band. Der Song ist ein riesiger Ohrwurm mit tollen Melodylines.

Die erste Single „Ever Dream“ beginnt balladesk mit einem Piano, entwickelt sich dann aber zu einem typischen Nightwish Mid Tempo Hit. Wieder einmal wird die Nummer von Tarja’s Stimme und den wundervollen Melodien gekrönt.
Der folgende Mid Tempo Stampfer „Slaying The Dreamer“ weist überraschend aggressive Gitarrenriffs auf. Der metallastigste Song der Platte enthält ebenfalls opulente Chöre und einen explodierenden, für Nightwish ungewohnt schnellen, harten Mittelpart den Marco mit aggressivem Gesang verziert.
Nach soviel Kraft wird dem Hörer mit „Forever Yours“ eine Ruhepause gegönnt. Nach dem ersten Hören fand ich die verträumte, mit Flöten und Orchster besetzte Ballade in „Sleeping Sun“ Manier langweilig. Doch mittlerweile finde ich den Song großartig und er nimmt in meiner persönlichen Nightwish Ballade Rangliste Platz 2 hinter „Walking In The Air“ ein.

„Ocean Soul“ ist wieder eine tolle melodieorientierte Nummer, die sich auf „Wishmaster“ sehr gut gemacht hätte. Zwar kein Geniestreich, aber dennoch ein hochklassiker Song. Eine Steigerung ist wieder bei „Feel For You“ zu vermerken. Das Orchester wurde perfekt eingebunden und Marco krönt das Lied mit seiner besten Sangesleistung des Albums.

Ein Höhepunkt von „Century Child“ ist wie „Feel For You“ auch „The Phantom Of The Opera“. Tuomas Holopainen hat es geschafft, das Titelstück des Musicalklassikers von Andrew Lloyd Webber sehr nahe am Original zu halten, es aber dennoch mit dem typischen Nightwish Sound zu versehen. Man könnte meinen, Lloyd Webber hätte es für die Band komponiert. Es wird außerdem klar, welch genialer Komponist Tuomas Holopainen ist, wenn seine Kompositionen mit denen einer weltweit hoch angesehene Musical Koryphäe konkurrieren können.

Den Abschluss von „Century Child“ bildet das zehnminütige „Beauty Of The Beast“, das man nicht mit „Beauty And The Beast“ vom „Angel Fall First“ Album verwechseln sollte. Als einer der bombastischsten Songs von Nightwish überhaupt, auch hier erklingen zahlreiche Chöre und opulente Orchesterarrangements, gehört der Epos auch zu den Highlights dieses Albums. Wer auf Tarja’s Gesang steht, wird hier vor Ehrfurcht vor dieser grandiosen Leistung auf die Knie sinken. Nach etlichen Hördurchgängen steht zweifelsfrei fest, „Century Child“ ist das beste Album, das diese Band je erschaffen hat – sogar noch besser als „Oceanborn“. Es gibt keinen Ausfall, nur großartige Songs. Allerdings hätte für meinen Geschmack der Platte ein weiterer richtiger Brecher nicht geschadet. Doch für die kontinuierliche, wenn auch nicht mehr zu erwartende Weiterentwicklung und für die Neuerungen wie das Orchester und Marco’s Gesang, die einiges an Variabilität mit sich bringen, bleibt mir eigentlich nichts anderes übrig, als die Höchstnote zu zücken. „Century Child“ ist ein Geniestreich ohne gleichen, mit dem sich Nightwish selbst übertroffen haben. Hoffen wir, dass nach der Pause die Band an diese Leistung anknüpfen kann.

added by Lonnie on 13.05.06article also available in:  | printer friendly version

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