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[Original] wallsoffire.de: Interview mit Tuomas Holopainen (2002-06-25) - Interviews

Quelle: wallsoffire.de
Autor: Jens

Erfolg verdirbt den Charakter, weiß der oftmals viel zu dumme Volksmund. Im Falle von Nightwish Mastermind Tuomas Holopainen irrt er sich mehr als gewaltig. Die Band ist zwar die erfolgreichste Band, die jemals in Finnland ein Album in die Läden gestellt hat, aber Tuomas ist ein sehr netter Mensch ohne irgendwelche Starallüren, der immer noch vom wahnsinnigen Erfolg ihres neuesten Meisterwerks „Century Child“ überwältigt ist. Ich sprach mit ihm am Telefon über das neue Album und natürlich über die Zukunft der Band, was den Fans momentan sicherlich am meisten unter den Nägeln brennt.


Zu aller Erst möchte ich dir zu eurem neuen, genialen Album gratulieren. Ich liebe es.
Vielen Dank.

Und natürlich auch zu dem Erfolg, den ihr damit momentan in Finnland habt.
Und noch mal vielen Dank.

War dieser Erfolg eine Überraschung oder doch ein Stück weit erwartet?
So etwas wie das habe ich wirklich nicht erwartet. Ich wusste, dass das Album sehr stark erwartet wurde und dass wir möglicherweise an die Spitze der Charts gehen können, aber das wir Gold nach zwei Stunden und Platin nach zehn Tagen haben würden, hätte ich nicht gedacht. Wir sind die meistverkaufteste Nummer eins in der Geschichte der finnischen Charts, das ist schon etwas. (lacht) Ich kann es immer noch nicht glauben. Ich habe das gestern gehört und bin seit da ziemlich überwältigt... Wow! Ich bin einfach sprachlos!

Gibt es jetzt noch irgendwas, was du mit Nightwish erreichen möchtest, wenn man so erfolgreich und von den Metalfans auf der ganzen Welt verehrt wird? Hast du noch irgendwelche Ziele, die du mit der Band verfolgst?
Das Hauptziel ist nur unsere Musik Stück für Stück zu verbessern. Ich will, dass jedes Album besser ist als sein Vorgänger. Bis jetzt ist mir das gut gelungen. Und wir werden das in der Zukunft weiterhin versuchen. Das ist das Hauptziel.

Was steckt denn hinter dem Albumtitel „Century Child“?
Das muss ich in jedem Interview erklären (lacht). Aber ich will es nicht, ich will nicht über Albumtitel, Songtitel oder Texte reden. Wenn ich erkläre, was ich mit ihnen meine, verschindet ihre ganze Mystik. Aber die ganze Platte ist ein Konzeptalbum über die Unschuld und den Verlust der Unschuld, den Verlust der Kindheit. Der Albumtitel bezieht sich auf all das.

Auch wenn du nicht so viel über die Texte reden möchtest, aber wo bekommst du deine Ideen dafür her?
Die Ideen bekomme ich aus meinem persönlichen Leben, meinen Erfahrungen, meinen Träumen. Es ist fast ein Tagebuch in musikalischer Form auf jedem Album. Ein Album behandelt meine Gefühle, Gedanken, Emotionen einer bestimmten Zeitperiode, die ich durchlebt habe. So ist das jedes Mal. Das letzte Jahr war definitiv das beschissenste in meinem Leben und das kann man auf dem neuen Album sehr gut hören. Es ist wohl das härteste und aggressivste Album, das wir je gemacht haben.

Das war genau die nächste Frage, die ich stellen wollte. Für mich gibt es viele Parallelen zwischen „End Of All Hope“ und „Wishmaster“. Sind die geplant?
Wenn ich mir den Song jetzt anhöre, finde ich auch, dass man ein paar Ähnlichkeiten heraushören kann. Der Unterschied ist aber, dass „Wishmaster“ ein positiver Song ist, während „End Of All Hope“ eher Hoffnungslosigkeit vermittelt.

Findest du nicht, dass es etwas gefährlich ist, einen Song „Beauty Of The Beast“ zu nennen, wenn man schon einen Song hat, der „Beauty And The Beast“ heißt?
Ich denke, das Gefährlichste daran ist, dass wir sie auf der Bühne verwechseln, wenn es heißt, wir spielen „Beauty And The Beast“ und jemand fängt an „Beauty Of The Beast“ zu spielen. Das ist meine größte Furcht. Wir haben immer das Beauty und Beast Zeug in unseren Songs und ich wollte darauf irgendwie zurückgreifen und einfach mit Worten spielen. Das ist cool.

Als ich das erste Mal die Tracklist durchgelesen habe, dachte ich zuerst, dass ihr vielleicht den Song neu aufgenommen habt und das es vielleicht ein Druckfehler auf der CD ist.
Nein, das ist ein komplett neuer Song.

Ja, das ist mir dann auch aufgefallen. Ich habe mich gefragt, ob ihr dieses Mal ein größeres Budget zur Verfügung hattet, da ihr auf einigen Songs mit einem echten Orchester gearbeitet habt?
Ja, wir hatten in der Tat ein größeres Budget dieses Mal. Aber ich wollte, dass man hört, das ist die Band und das ist das Orchester. Ich wollte einen authentischen Sound haben und nicht nur einen Synthesizer. Und wenn wir Chöre eingesetzt haben, wollte ich auch einen richtigen Chor haben und nicht nur Tarja’s Stimme doppeln. Ich wollte alles so perfekt wie möglich mit diesem Budget machen.

Wieso ist das Orchester denn nicht auf jedem Song?
Ich wollte es interessant machen. Die Magie wäre verloren gegangen, wenn das Orchester die ganze Zeit in jedem Lied spielen würde. Ich wollte es nur vereinzelt einbauen, um es interessanter zu gestalten.

Hast du die Orchester Arrangements alleine ausgearbeitet oder hast du dir dafür Hilfe besorgt?
Ein bisschen Hilfe hatte ich. Wir haben Demo Aufnahmen aller Songs gemacht, auf denen ich alle Orchesterparts mit dem Keyboard gespielt habe. Das haben wir dem Typ gegeben, der die Arrangements gemacht hat. Er hat einige meiner Ideen verwendet aber auch seine eigenen eingebaut. Ich finde, er hat wundervolle Arbeit geleistet.

Könntest du dir vorstellen, ein komplettes Album mit einem Orchester aufzunehmen?
Ja, warum denn nicht. Ich liebe beispielsweise Filmmusiken und Soundtracks. Das wäre auch etwas, was ich gerne einmal mit einem großen Orchester machen würde. Die ganze Musik sollte dann nur von dem Orchester kommen mit vielleicht ein paar Stimmen.

Könntest du dir auch vorstellen, mit einem Orchester zu touren?
Das habe ich schon länger im Hinterkopf, ich bin aber dennoch sehr misstrauisch, ob das überhaupt funktionieren würde. Das verlangt zu viel Koordination. Ich weiß, dass beispielsweise Rage und Therion das gemacht haben, und dass es klappen kann. Es gibt also noch Hoffnung, aber das wird definitiv nicht auf dieser Tour sein. Wir werden für die kommenden Shows ein paar Tapes verwenden.

Ich finde, dass Tarja mit ihrer Stimme viel experimentiert hat, denn sie verwendet nicht nur den Operngesang.
Richtig. Das war auch eine Entscheidung, die wir getroffen haben, als wir begannen, das Album aufzunehmen, die hohen Opernstimmen wegzulassen. Wir wollten es mit mehr Leidenschaft und Gefühl machen und nicht nur hoch und laut die ganze Zeit. Sie hat einen perfekten Job gemacht, das Beste, was sie je gemacht hat. Aber dafür wurden wir auch schon kritisiert – wo ist der hohe, starke Gesang?! Er ist immer noch da, aber sie setzt ihre Stimme etwas anders ein.

Auf der finnischen Ausgabe des Albums ist ein Code, soweit ich gelesen habe, mit dem man eine bestimmte Internetseite öffnen kann, von der man euer erstes Demo herunterladen kann. Wessen Idee war das denn?
Glaub mir, das war nicht meine Idee. Die kam von der Plattenfirma. Sie wollten der ersten Auflage der Platte einen besonderen Extrabonus verpassen. Und sie haben uns gefragt, wie es wäre, das letzte Geheimnis von Nightwish zu veröffentlichen. Und das ist das erste Demo, das wir je aufgenommen haben, die ersten drei Akustiklieder von 1996. Wenn du also die CD mit dem Code hast, kannst du ins Internet gehen und dir die drei Lieder herunterladen.

Lass uns noch mal über das letzte Jahr sprechen. Wieso hat Sami die Band verlassen?
Es war eine Entscheidung von beiden Seiten. Wir haben alle bemerkt, dass er nicht mehr richtig motiviert war. Man hat es an seinem Spiel und seinen Auftritten bemerkt. Wir haben angefangen, das auszudiskutieren und sind zu dem Entschluss gekommen, dass es das beste für alle wäre, wenn er die Band verlassen würde. Es gab hier keine dramatischen Elemente.

Warum habt ihr euch dann für Marco entschlossen?
Dafür gibt es zwei Gründe. Der erste ist, dass wir ihn schon zuvor gekannt haben. Wir kennen ihn sehr gut und er ist eine großartige Person. Der andere Grund war der, dass ich eine männliche Stimme auf diesem Album haben wollte. Ich dachte, es wäre cool, wenn man einen neuen Bassisten finden würde, der auch noch singen kann, damit wir nicht noch einen weiteren Sänger für das Album nehmen müssen. Marco ist für mich einer der besten, vielleicht sogar der beste Metalsänger hier in Finnland. Ich habe ihn einfach gefragt, was er davon halten würde, zu Nightwish zu kommen und er war sofort dabei. Wir sind sehr glücklich mit ihm.

Ich finde, es war eine brillante Idee, seine Stimme dazu zu nehmen, da sie hervorragend dazu passen.
Ja, sie passen wirklich gut zu unserem Sound. Aber ich lege großen Wert darauf, dass Tarja den Großteil des Gesangs übernimmt, da sie ein Fokus der Band ist. Ich wollte Marco nicht zu stark einbauen, um das Album so interessant wie möglich zu machen.

Ihr habt eine Neuauflage von „Phantom Of The Opera“ aufgenommen. Ich schätze, du hattest diese Idee schon lange in deinem Kopf.
Ja, schon seit vielen Jahren. Ich wollte es eigentlich schon auf dem „Wishmaster“ Album machen, aber wegen einiger Gründe, an die ich mich nicht mehr erinnern kann, haben wir es weggelassen. Ich war letztes Jahr in London im Musical „The Phantom Of The Opera“. Das war so wahnsinnig gut, dass ich beschloss, es für das nächste Album aufzunehmen. Wenn Mr. Lloyd Webber den Song nicht geschrieben hätte, dann hätten wir das gemacht, denn der hört sich so stark nach einem Nightwish Song an, mit den Melodien, den Akkorden, dem Phantom und der Beauty. Es passt einfach gut zu uns.

Ja, ich finde auch, dass er gerade von der Dramatik her gut zu Nightwish passt. Wie sieht es denn aus, hast du schon mal mit dem Gedanken gespielt, eine Metaloper zu komponieren?
Ja, das wäre cool. Vielleicht so was wie es Waltari hier in Finnland vor ein paar Jahren gemacht haben. Eine gemischte Bühne mit Orchester, Chor und Balletttänzern. Das wäre cool. Wir werden sehen, was die Zukunft bringt.

Ich dachte jetzt eher an eine Platte so in Richtung Avantasia.
Hm, ja ich habe das Album, ich weiß nicht, vielleicht schon. Vielleicht machen wir so was in dieser Richtung. Ich bin so ausgelaugt von diesem Album, ich kann noch an nichts neues denken. Vielleicht werde ich nach der Tour an neuen Ideen arbeiten.

Dann lass uns mal über die Zeit nach der Tour sprechen. Im Internet gab es viele Gerüchte über die Zukunft der Band. Das ist sicherlich auch eine Standardfrage...
Ja, ist okay. Ich habe aber so um die hundert Interviews gegeben und jeder einzelne will das wissen. Aber das ist ja vollkommen verständlich. Die Sache ist die, wir müssen Tarja ein Jahr frei geben für ihr Studium, da ihre Schule so streng ist. Sie kann keine zwei Tage im Jahr fehlen. Ich denke auch, dass das Jahr eine gute mentale Pause für die ganze Band ist. Das ist alles so schnell gegangen. Uns gibt es seit fünf Jahren und wir haben schon vier Full-Length Alben draußen, einen Haufen Singles, eine Live DVD. Wir waren so beschäftigt, auch mit dem vielen Touren. Deswegen denke ich, dass es für die ganze Band gut ist. Aber es geht nicht darum, dass wir uns trennen werden. Wir werden uns nicht trennen. Ende des nächsten Jahres werden wir sehen, wie sich jeder fühlt und werden von neuem beginnen. Ich bin sicher, dass ich nach der Tour am neuen Nightwish Material arbeiten werde.

Du wirst während der Pause also weiter arbeiten?
Ich werde bei der Musik bleiben. Ich werde mein Soloprojekt vorantreiben und ich spiele noch in einer Band namens For My Pain und wir werden gleich nach der Tour ein Album einspielen. Das wird einen Großteil meiner zeit in Anspruch nehmen. Danach werde ich an einigen Projekten arbeiten und natürlich am neuen Nightwish Material.

Es ist also mehr eine Pause, wie sie Stratovarius zur Zeit machen, wo Timo Tolkki und Timo Kotipelto ihre Soloalben gemacht haben?
Ja, es wird so ausgehen. Niemand von uns wird an die Universität gehen und Akademiker werden. Wir werden alle bei der Musik bleiben.

Ist die knappbemessene Zeit von Tarja ein Grund, warum ihr nur ein paar Shows hier in Deutschland spielen werdet?
Sie hat weniger als zwei Monate frei und die werden nur für die Tour draufgehen. Wir mussten das Programm kürzen und haben schon zehn Länder weggelassen. Wir werden nicht nach Kanada gehen, nicht Japan, in die Türkei nach Mexiko. Wir versuchen das bestmöglichste mit unserer Zeit zu machen. Deswegen wird es auch nur ein paar Shows in Deutschland geben. Das ist das Beste, was wir machen können.

Denkst du, dass diese Band auch ohne Tarja weiter existieren könnte?
Ich denke, das ist sehr unwahrscheinlich. Es gibt mittlerweile Gerüchte, dass Marco den kompletten Gesang übernehmen wird, aber das ist eine lächerliche Idee. Tarja’s Gesang war schon immer ein Markenzeichen dieser Band und so wird es auch bleiben.

Du wirst heute Abend in unserem Chatroom sein, ich hoffe, du denkst noch dran.
Ja, ja. Ich habe nur noch nie zuvor gechattet und hoffe, dass ich das hinbekomme, denn ich habe Probleme mit dem Internet, da ich sehr schlecht mit technischen Sachen umgehen kann. Ich kann gerade mal meine E-Mails lesen, und das war es auch schon. Ich werde es versuchen.

Wir fühlen uns wirklich geehrt, dass du das machst.
Das ist schon okay. Ich freue mich schon darauf. Ich denke, das wird ein großer Spaß werden, wenn nur nicht das ganze technische Zeug wäre (lacht).

Wie wichtig ist dir der Kontakt zu den Fans?
Ich finde es sehr wichtig und ich mache es immer noch gerne. Das macht Spaß. Mittlerweile bekomme ich aber so viele E-Mails, dass es unmöglich ist, sie alle zu beantworten. Das sind so 30 – 40 E-Mails pro Tag, die nur von den Fans sind. Ich hoffe, dass sie verstehen, dass ich sie nicht alle beantworten kann. Aber nach den Shows macht es mir immer noch viel Spaß, mit ihnen zu reden und ein paar Biere mit ihnen zu trinken.

Okay, vielen Dank Tuomas für deine Zeit.
Kein Problem. Tschüss.

added by Lonnie on 13.05.06article also available in:  | printer friendly version

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