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[Original] BrightEyes.de: Nightwish - Fünf Musketiere (2003-01-12) - Interviews

Quelle: BrightEyes.de
Autor: Tom Klaner

Tarja Turunen, Tuomas Holopainen, Jukka Nevalainen, Empuu Vuorinen und Marco Hietala - dies sind die Musiker, die jedem Metalfan unter dem Bandnamen NIGHTWISH ein Begriff sein müssten. NIGHTWISH haben in den letzten Jahren einen steilen Aufstieg geschafft und sich eine große und treue Fanschar erspielen können. Marco ist der neue Bassist und Zweitsänger bei NIGHTWISH und so feierte er mit dem aktuellen Album „Century Child“ seinen Einstand bei den Finnen. Nach dem Release von „Century Child“ machten vermehrt Gerüchte die Runde, Tarja würde wegen ihres Studiums in Deutschland NIGHTWISH verlassen. Auch in einem Interview mit dem Bright Eyes machte Tarja diese Andeutungen, aber es gibt nun definitiv Entwarnung für alle NIGHTWISH-Fans, denn es soll weitergehen. So gaben die sympathischen Finnen im Januar 2003 zwei Zusatzkonzerte in Oberhausen und München. Nachdem NIGHTWISH live immer eine Augenweide und natürlich ein Ohrenschmaus sind, ließ ich mir die Chance nicht entgehen, bei einem Interview auch etwas genauer bzgl. der Zukunft dieser genialen Band nachzufragen. Mit ihrer aktuellen Veröffentlichung „Century Child“, einem Album, das deutlich härter ausgefallen ist, als noch die vorherige Scheibe, setzten NIGHTWISH ihren Höhenflug ungehindert fort und erobern damit Tag für Tag neue Musikfreunde. Da Tarja an diesem wirklich saukalten Januarnachmittag ihre bereits etwas angeschlagene Stimme schonen musste und Tuomas sich mit zig anderen Interviewwünschen beschäftigte, nahm ich mir mit Marco Hietala den neuen Mann am Bass und Mikro bei NIGHTWISH zur Brust.

Marco, als ich vor einem halben Jahr mit Tarja über das neue Album „Century Child“ sprach, sagte sie, dass sie ein sehr komisches Gefühl hatte, als sie die Kompositionen zum ersten Mal hörte. Sie waren ungewöhnlich heavy und doch traurig zugleich?
„Ja, da hat Tarja absolut recht, diesen Eindruck hatte ich auch, als ich die Songs zum ersten Mal gehört habe. Alle Songs waren komplett fertig, als ich zur Band kam. Das klang schon etwas ungewöhnlich und doch recht hart.“

Aber nicht zu hart für NIGHTWISH-Fans, sonst hättet ihr auch nicht so einen Erfolg?
„Nein, ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wieso die Songs zu hart für unsere Fans sein sollten. Auch die vorherigen Alben waren auf ihre Art und Weise heavy und `Century Child` verkauft sich ehrlich gesagt sehr gut und die Reaktionen der Fans sind hervorragend. Die gesamte Band wollte eben ein Album in genau diesem Stil aufnehmen, auch die Idee mit der neuen männlichen Stimme war schon seit langem in den Gedanken von Tuomas verankert. Tuomas hatte mich schon vor meinem Einstieg gefragt, ob ich nicht auch den männlichen Gesangspart mit übernehmen wollte. Er suchte schon die ganze Zeit nach einem geeigneten zweiten Sänger und so konnte er mit mir also gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Tuomas war auf der Suche nach einem gewissen stimmlichen Gegenpol zu Tarja.“

Nun gab es ja viele Gerüchte, dass Tarja nach „Century Child“ NIGHTWISH evtl. für einige Jahre komplett verlassen würde. Ich konnte aber vor diesem Interview mit Tarja selbst einige Worte zur Zukunft von NIGHTWISH wechseln und sie meinte, ihr arbeitet sogar an einem neuen Album und sie bleibt euch erhalten. Welche Aktivitäten habt ihr denn nun geplant für die nächsten Monate?
„Wir werden noch in diesem Jahr eine DVD veröffentlichen, aber den genauen Release-Zeitpunkt kann ich dir noch nicht sagen. Darauf werden interessante Dinge zu sehen sein, nämlich neben Live-Sequenzen vor allem auch lustige Dinge, die mit der Musik an sich nicht so viel zu tun haben. Es soll mehr eine Art Tourdokumentation werden und auch die wirklich komischen Seiten dieser Band und des ganzen Musikbusiness darstellen. Viele Musiker sind nämlich viel zu ernst.“

Und wie sieht es nun mit einem neuen NIGHTWISH-Album aus?
„Also Tuomas hat schon einige neue Songs geschrieben und ich habe auch einige Ideen gesammelt. Wir werden uns dann gemeinsam entscheiden, was stilistisch am besten zu einem neuen NIGHTWISH Album passt und in welche Richtung sich die Band entwickeln will.“

„Century Child“ war ja ein eher depressives und persönliches Album von Tuomas?
„Ja, es erzählt eine Menge aus den vergangenen Monaten aus Tuomas` Leben, ich denke, er hat eine sehr schwere Zeit hinter sich. Nur so kann ich mir die Ideen zu den einzelnen Songs erklären. Die besten Geschichten schreibt eben immer noch das Leben selbst und die Leute können sich damit auch am besten identifizieren, weil es genau so auch im täglichen Leben eines jeden Fans passieren könnte.“

Aber es ist schon eine ganz eigene Situation, dass Tarja in Deutschland sitzt und ihr Männer in Finnland die Musik spielt. Was bedeutet das für eine Band, bzw. wie schafft ihr das?
„Das ist sicherlich etwas ganz Besonderes bei NIGHTWISH, aber im Grunde bedeutet das nur, dass wir einen sehr engen und genau einzuhaltenden Terminplan haben. Da muss alles genau stimmen, denn die Zeit, in der wir wirklich zusammen üben können, beschränkt sich auf ein Minimum. So hatten wir bis zu unserem gestrigen Konzert in Oberhausen z.B. keine Möglichkeit miteinander zu proben. Daher hatten wir gestern einen sehr ausgiebigen und intensiven Soundcheck. So konnten wir sehr viele Songs zusammen spielen. Wir Musiker haben uns aber schon vorher in Finnland getroffen und ein bisschen miteinander geübt.“

Für dich war es sicher nicht so leicht, in eine so erfolgreiche Band zu kommen und dann auch noch zu singen, obgleich die Sängerin dieser Band im Mittelpunkt steht. Wie werden das die vielen Tarja-Fans auffassen?
„Ich fühle mich eigentlich mehr als neuer Musiker bei NIGHTWISH, da sich meine Gesangseinsätze ja auf ein Minimum reduzieren. In den Bands, bei denen ich bisher gespielt habe, habe ich immer gesungen, wobei ich aber mehr der oldschooled Sänger bin. NIGHTWISH ist eine großartige Gelegenheit für mich, meine Fähigkeiten weiter auszubauen. Da ich eben diesen eigenen Gesangsstil habe und Tarja mehr die klassische und zarte Stimme hat, bietet dies einen guten Kontrast zueinander. Ich bin überzeugt davon, dass das ganz gut funktionieren wird, obwohl ich natürlich auch schon von einigen Leuten Hassmails geschickt bekommen habe. Der Inhalt bezog sich immer darauf, wie ich es wohl wagen könnte, gegen Tarja anzusingen. Na ja, damit muss ich jetzt leben. Ich denke, die guten Verkäufe von `Century Child` geben uns einfach recht, dass dieser Schritt der Richtige war.“

Ist es eigentlich ein Problem, dass du rund zehn Jahre älter bist als der Rest der Band?
„Nein keinesfalls, ich persönlich bin der Meinung, dass Alter eine Frage der jeweiligen Einstellung ist und nichts mit einer Zahl zu tun hat. Tja und darin stimmen wir alle absolut überein, denn die anderen in der Band haben die selbe Einstellung zur Musik und zum Leben wie ich auch.“

Wo hast du bisher gespielt?
„Es gab mehrere Bands, bei denen ich gespielt habe, aber in meine eigene Band TAROT investiere ich schon sehr viel Zeit. Da wir außer einigen wenigen Gigs vor Weihnachten und den beiden Gigs jetzt hier in Deutschland momentan mit NIGHTWISH nicht viel live unterwegs sind, arbeite ich an neuem Material für TAROT, das wir auch in einigen Wochen für unser nächstes Album aufnehmen werden.“

Zurück zu „Century Child“, einer der besten Songs ist zweifelsohne „Phantom Of The Opera“, das von euren unterschiedlichen Stimmen lebt.
„Ja, es war eine gute Entscheidung, genau diesen Song zu covern, denn hier treffen die beiden perfekten Charaktere für Tarja und mich zusammen. Tuomas wollte diesen Song schon viel früher covern, aber er hatte bisher nicht die richtige männliche Stimme gefunden. Für mich ist der Song das perfekte Spiel zwischen Gut und Böse!“

Was macht die besondere Magie bei NIGHTWISH aus?
„Bei NIGHTWISH herrscht eine eigene besondere Chemie innerhalb der Band und zwischen den einzelnen Musikern. Die Stimme von Tarja und die harte Musik passen perfekt zusammen. Der Hauptaspekt aus meiner Sicht ist aber, dass wir alle gute Freunde sind. Außerdem braucht jeder seine Privatsphäre und solange das so auch funktioniert, ist es optimal. Wir haben alle das selbe Ziel und den eisernen Willen, das hält alles am Kochen. Trotz all dem Erfolg, steht stets unsere Freundschaft im Vordergrund. Das ganze Konzept der Songs und das Image von NIGHTWISH hat Tuomas schließlich um Tarjas Stimme herum aufgebaut.“

Ist es aus deiner Sicht sehr hart für Tarja, mit einer Horde wilder Jungs auf Tour zu sein?
„Oh ja, das kann schon ganz schön schwer sein, denn es kann ein wirklich hartes Leben auf Tour sein. Du bekommst nicht genügend Schlaf, manchmal ist die Verpflegung sehr schlecht – hier möchte ich aber ausdrücklich ein Dankeschön an die Küche in München im Zenith sagen – ja und stressig ist dieses Leben natürlich auch, da bleibt wenig Zeit, um sich auszuruhen. Tarja muss nun mal auf ihre Stimme besonders aufpassen, das ist dann ein Problem, wenn die Jungs trinken oder feiern, da passt sie aber gut auf sich selbst auf. Ihre Stimme lässt sich nicht einfach so ersetzen, also hat sie auch nicht die Möglichkeit, wie wir zu trinken oder zu feiern.“

Was ist der Hauptgrund, dass ihr nur diese beiden einzelnen Shows spielt und nicht noch einige Dates dranhängt, bei dem Erfolg?
„Das ist darin begründet, dass Tarja gerade ihr Studium absolviert und deshalb auch nur am Wochenende auftreten kann. Sicher läuft das Album sehr gut, aber gerade deshalb nutzen wir diese Gelegenheit, uns noch einmal live zu zeigen. Die gestrige Show und auch der Vorverkauf für die heutige Show zeigen, dass NIGHTWISH immer beliebter werden. Gestern haben wir das bisher größte Konzert als Headliner gespielt, das war schon ein cooles Gefühl. Wir werden aber im Sommer bei einigen Festivals auftreten, darauf freuen wir uns auch schon sehr.“

Ja, auch das Konzert in München sollte an diesem Abend ausverkauft sein. Und Marco ergänzt:
„Beim Soundcheck heute Nachmittag war es sehr kalt, das waren fast finnische Verhältnisse, aber dafür wird es später umso heißer, du wirst es erleben!“

Tja, und Marco sollte recht behalten, denn das Konzert war ein voller Erfolg, minutenlanger Applaus nach einem rund 100 Minuten dauernden wunderbaren NIGHTWISH-Abend. Einen Konzertbericht findet ihr ebenfalls auf dieser Website. NIGHTWISH sind definitiv auf dem direkten Weg nach ganz oben, so viel steht fest!

Line Up:
Tarja Turunen - vocals
Tuomas Holopainen – keys, piano
Empuu Vuorinen – guitars
Marco Hietala – vocals, bass
Jukka Nevalainen – drums

Discografie:
Angels Fall First (1997)
Oceanborn (1998)
Wishmaster (2000)
From Wishes To Eternity DVD/ CD (2001)
Over The Hills And Far Away (2001)
Century Child (2002)

added by Lonnie on 17.05.06article also available in:  | printer friendly version

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